Warum ich zum Friseur gehe?

Weil es Sachen gibt, die ich nicht selber kann. Davon gibt es viele:

Ich kann kein Auto reparieren, ich kann kein Starkstrom anschließen, keine Heizung einbauen, ich kann nicht nähen und es gibt so vieles mehr, was ich selber nicht kann. Eins davon ist es, sich selber die Haare zu färben und zu schneiden.

Jetzt sagen bestimmt viele: „Es gibt doch in der Drogerie so viele Farben, die ich mit einer genauen Anleitung mir selber färben kann – und zwar ab 3,99 €. Spitzen schneiden erfordert auch nicht die Kunst des Friseurhandwerks.“

Ja, die gibt es. Es gibt auch viele Fachgeschäft, in denen ich einen neuen Autokühler kaufen kann,  den ich mit einer YouTube-Anleitung selber einbauen kann. Ob das Auto danach auch fahrtüchtig ist, steht in den Sternen.

Worauf ich hinaus will ist: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Ich gebe zu einen guten Friseur, dem man blind vertraut, zu finden ist genau so schwer, wie einen Zahnarzt oder den Frauenarzt. Es braucht einige Versuche, bis man sich bei einem oder einer wohl fühlt. Und es ist je nach Aufwand eine kostspielige Sache – muss es aber nicht!

 

 

Ich war Studentin, als ich Daniel (damals 16 Jahre alt) zum ersten Mal traf. Er war in seinem ersten Lehrjahr. Ich hatte keine Kohle – er suchte Modelle. Das Ergebnis: Wir sind zusammen gewachsen. Ich schenkte ihm Geduld und Vertrauen, er schenkte mir seine bedingungslose Aufmerksamkeit. Nehmen wir die Freundschaft, die dabei entstanden ist, raus. Das ist hier nicht die Regel – muss auch nicht. Es ist das zusammen aneinander wachsen. Ich wusste, dass jeder seiner Schritte von der Ausbilderin begutachtet wurden. Und ich wusste auch, dass sich Daniel bewusst für diesen Beruf entschieden hat und diesen so gut lernen wollte, wie es nur geht. Das reichte mir!

Jedes Jahr im August starten motivierte junge Künstler ihre Ausbildung zum Friseur und suchen Modelle. Das ganze ist für Dich kostenlos! Auch du kannst mit ihnen gemeinsam wachsen.

Ich genieße den Aufenthalt beim Friseur. Es ist meine persönliche Zeit. Ich tue was für mich, für meine Seele, für mein Selbstbewusstsein. Dass es jemanden gibt, der dir dieses Gefühl geben kann, sollte man wertschätzen.

Ich glaube nicht, dass du nach einer Drogerie-Farbe-Auftragen-Odyssee diese Empfindung verspürst. Oder den Schock deines Lebens bekommst und bei Google nachschaust, welcher Friseur um die Ecke noch auf hat, um deine Haarpracht zu retten.

Liebste Grüße,

Martha

2017-12-07T16:28:49+00:00 10. Dezember 2017|Allgemein|